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Warum sich Hyaluronsäure-Filler unterschiedlich verhalten: Einblicke in Struktur, Eigenschaften und klinisches Verhalten

Ich kann mich noch gut an meine erste eigene Hyaluronsäure-Filler Behandlung erinnern. Ich war damals noch Studentin und hatte in meinem Freundeskreis miterlebt, wie Behandlungsergebnisse aussehen können. Zuvor hatte ich im persönlichen Umfeld kaum Berührungspunkte mit Filler-Behandlungen und lange Zeit war meine erste Assoziation damit der berühmte „Entenschnabel“.

Als ich mich schließlich für meine erste Behandlung entschied, hatte ich jedoch bereits natürliche wirkende Ergebnisse gesehen. Das inspirierte mich dazu, es selbst auszuprobieren - ein dezenter Lippenaufbau stand dabei ganz oben auf meiner Liste.

Bei meinem ersten Termin hatte ich die Wahl zwischen einem günstigen Filler-Produkt, einem Produkt im mittlerem Preissegment und einem hochpreisigem Präparat, das laut Behandler besonders natürlich und langanhaltend sein sollte. Damals hinterfragte ich nicht, weshalb die Entscheidung über die Produktauswahl bei mir lag. Rückblickend war genau diese Erfahrung jedoch einer der Gründe, weshalb ich mich später intensiver mit ästhetischer Medizin beschäftigte. Erst mit der Zeit verstand ich wie komplex die Auswahl eines geeigneten Fillers tatsächlich ist - und wie unterschiedlich sich die Perspektive als Patientin und als Behandlerin anfühlen kann.

Im Laufe meiner Ausbildung, durch den Austausch in Fortbildungen sowie durch die gesammelte Erfahrung wurde mir zunehmend bewusst: Hyaluronsäure-Filler sind nicht gleich Hyaluronsäure-Filler.

Viele Kolleginnen und Kollegen werden darüber vermutlich schmunzeln, denn bahnbrechend ist diese Erkenntnis nicht wirklich. Aus Patientensicht waren mir diese Unterschiede damals jedoch nicht bewusst. Trotzdem sollte ich mich für ein Produkt entscheiden, ohne zu verstehen, worin sich die Präparate unterscheiden oder welches davon überhaupt besser zur mir passen könnte.

Was zunächst wie ein unkompliziertes Thema wirkte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als deutlich komplexer. Warum unterscheiden sich Hyaluronsäure-Filler eigentlich?

Hyaluronsäure-Filler werden häufig als einheitliche Produktgruppe wahrgenommen. Tatsächlich unterscheiden sie sich jedoch teils erheblich in ihrer Struktur. Ursache dafür sind Unterschiede in der Herstellung, die wiederum Einfluss auf Haltbarkeit, Formstabilität und den Einsatzbereich haben können.

Hyaluronsäure ist ein natürlich im Körper vorkommendes lineares Zuckermolekül. Der Gesamtanteil bei einem erwachsenen Menschen beträgt etwa 12 bis 15 Gramm. Ein großer Teil davon befindet sich in der Haut, sie kommt jedoch auch anderorts vor, beispielsweise in der Gelenkflüssigkeit oder im Auge.

Unter anderem spielt Hyaluronsäure eine wichtige Rolle für die Hydratation des Gewebes, da sie große Mengen Wasser binden kann. Abgebaut wird sie durch ein körpereigenes Enzym, der Hyaluronidase. Die Halbwertzeit natürlich vorkommender Hyaluronsäure beträgt lediglich etwa einen Tag. Innerhalb einer Woche wird sie nahezu vollständig abgebaut und ersetzt.

Genau diese Eigenschaften führen jedoch dazu, dass die natürliche Rohform die Anforderungen für ein stabiles Filler-Produkt nicht erfüllt. Deshalb ist eine technische Modifikation notwendig: die sogenannte Quervernetzung („Crosslinking“). Erst durch diesen Prozess kann Hyaluronsäure in einen langlebigen Filler umgewandelt werden.

Das erste injizierbare Hyaluronsäure-Filler Präparat mit Crosslinking-Technologie, das bis heute verwendet wird, kam 1996 erstmals auf den europäischen Markt.

Zur Herstellung ihrer Produkte nutzen verschiedene Hersteller identische oder ähnliche Vernetzungsmoleküle aus der derselben Molekülfamilie. Ziel ist die Entwicklung eines formstabilen, dreidimensionalen Gels, das zwar weiterhin durch Hyaluronidase abgebaut werden kann, gleichzeitig jedoch deutlich langlebiger ist als natürliche Hyaluronsäure.

Obwohl dabei häufig ähnliche Ausgangsubstanzen verwendet werden, unterscheiden sich die fertigen Produkte erheblich in ihren Eigenschaften. Der entscheidende Faktor hierfür ist der Herstellungsprozess - wobei anzumerken ist, dass die genauen Verfahren von den Herstellern nicht vollständig offengelegt werden.

Bekannt ist jedoch, dass die Eigenschaften des fertigen Endproduktes unter anderem durch den Vernetzungsgrad, also die Menge des eingesetzten Crosslinkers, durch die Anzahl der Vernetzungsschritte sowie durch das Verhältnis von vernetzter und unvernetzter Hyaluronsäure beeinflusst werden.

Gleiche oder ähnliche Ausgangssstoffe können somit zu sehr unterschiedlichen Produkten führen - Unterschiede, die letztlich auch klinisch relevant sind.

Die Herstellungsweise beeinflusst später maßgeblich das Verhalten eines Fillers unter mechanischer Belastung. Gemeint sind damit beispielsweise Bewegungen und Mimik im Gesicht. Mechanische Belastung kann jedoch auch von außen entstehen, etwa durch durch Druck oder Kompression beispielsweise beim Liegen auf einem Kopfkissen.

Wie sich ein Hyaluronsäure-Filler unter solchen Belastungen verhält, wird durch seine rheologischen Eigenschaften beschrieben.

Ein Filler muss dabei gleichzeitig flexibel und formstabil sein. Einerseits sollte er sich alltäglichen mechanischen Belastungen anpassen können, andererseits muss das Ergebnis nach der Injektion möglichst erhalten bleiben.

Diese Eigenschaften werden durch die elastischen (G’) und viskösen (G’’) Anteile eines Fillers bestimmt.

Die Elastizität beschreibt die Fähigkeit eines Fillers, nach einer mechanischen Belastung - etwa beim Lachen oder Kauen - wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Vergleichbar ist dies beispielsweise mit einem Gummiband.

Die Viskosität hingegen beschreibt das Fließverhalten und die Formveränderung eines Fillers bei Belastung, ähnlich wie bei Honig.

Wichtig ist dabei, dass ein rein elastischer Filler, nicht durch eine Nadel oder eine Kanüle injiziert werden könnte. Ein rein visköser Filler wiederum würde seine Form verlieren. Damit ein Hyaluronsäure-Filler effektiv eingesetzt werden kann muss er daher beide Eigenschaften vereinen.  Bei den derzeit verfügbaren Präparaten überwiegt jedoch in der Regel der elastische Anteil.

Diese rheologischen Eigenschaften können mithilfe spezieller Verfahren im Labor gemessen und beurteilt werden. Am besten untersucht und verstanden sind bislang die elastischen Eigenschaften, weshalb sie im klinischen Alltag bei der Produktauswahl am ehesten berücksichtigt werden.

Gleichzeitig ist wichtig zu erwähnen ist, dass diese Messverfahren die klinische Realität nur eingeschränkt abbilden können. Die Untersuchungen finden außerhalb des Körpers statt und berücksichtigen physiologische Bedingungen nur begrenzt. Dazu zählen beispielsweise die komplexe mechanische Belastung im Gewebe oder der Einfluss körpereigener Hyaluronidase.

Eine weitere Eigenschaft, die in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist die Kohäsivität. Sie beschreibt, wie stark ein Gel nach der Injektion als Einheit zusammenbleibt und könnte beeinflussen, wie sich ein Filler im Gewebe integriert.

Da Hyaluronsäure Wasser bindet, besitzen Hyaluronsäure-Filler die Fähigkeit, Wasser anzuziehen und einzulagern. Dies kann klinisch relevant sein und insbesondere in empfindlichen Behandlungsregionen sichtbare Volumenveränderungen verursachen. Dabei ist diese Eigenschaft nicht mit der primären Schwellung direkt nach der Injektion gleichzusetzen.

Die Wasserbindungsfähigkeit eines Fillers kann jedoch bei der Produktauswahl für bestimmte Indikationen eine wichtige Rolle spielen.

Die bisher genannten Eigenschaften stellen nur einen Teil der beschriebenen Parameter von Hyaluronsäure-Fillern dar und werden maßgeblich durch den jeweiligen Herstellungsprozess beeinflusst.

Um ihre klinische Relevanz zu verdeutlichen, hilft ein Blick auf unterschiedliche anatomische Regionen und deren individuelle Anforderungen an einen Filler.

Die Lippen sind beispielsweise ein sehr dynamisches Areal. Im Alltag sind sie zahlreichen mechanischen Belastungen ausgesetzt - etwa durch Sprechen, Lächeln oder Küssen. Ein geeigneter Filler sollte daher ausreichend flexibel sein, ohne dabei seine Form zu verlieren oder zu migrieren. Gleichzeitig spielt ein möglichst natürliches Erscheinungsbild eine zentrale Rolle.

Der laterale (seitliche) Wangenbereich hingegen ist deutlich weniger dynamisch. In dieser Region werden häufig festere Filler bevorzugt, um eine ausreichende Projektion und strukturellen Halt zu erzielen, ohne dass das Material komplexer mechanischer Belastung ausgesetzt wird.

Ein besonders empfindliches Areal stellt die Tränenrinne dar. Die Haut ist dort sehr dünn, weshalb mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtig werden müssen. Einerseits sollte der Filler genügend Projektion ermöglichen, andererseits darf er möglichst nicht sichtbar werden.

Zusätzlich kann eine hohe Wasserbindungsfähigkeit dazu führen, dass das behandelnde Areal geschwollen wirkt. Es kann deshalb entweder die applizierte Menge reduziert oder ein Filler mit möglichst geringer Wasserbindungsfähigkeit gewählt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass solche Präparate aufgrund ihrer Eigenschaften häufig fester sind und unter Umständen sichtbarer erscheinen können.

Neben den Produkteigenschaften spielen außerdem Faktoren wie Hautdicke, Gewebequalität und das Alter der Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle.

Die Wahl eines geeigneten Fillers sollte daher immer im individuellen klinischen Kontext erfolgen - nicht primär abhängig vom Preis, von der Popularität eines Produktes oder von der Auswahl von Patientinnen und Patienten.

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The Aesthetic Injectables Report

In Kürze entsteht hier eine unabhängige, evidenzbasierte Aufarbeitung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der ästhetischen Medizin - mit besonderem Fokus auf injizierbare Verfahren wie Hyaluronsäure, Botulinumtoxin und Biostimulatoren.

Ziel ist es, aktuelle Studien kritisch einzuordnen und deren Bedeutung für die klinische Praxis verständlich darzustellen.

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